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Veröffentlicht 19th May 2014

«Wir haben den Laufschuh neu erfunden»

Vom Gartenschlauch zur Sportinnovation: Ex-Spitzenläufer Olivier Bernhard und seine beiden Freunde David Allemann und Caspar Coppetti verbindet nicht nur die Begeisterung für den Laufsport, sondern auch das Streben nach einem perfekten Produkt. So ist aus Experimenten mit zerschnittenen Gartenschlauchteilen ein Schuh entstanden, der die Laufsportszene zuerst in Erstaunen, dann in Euphorie versetzt hat: Der On verspricht nicht nur ein neues Lauferlebnis, er übertrifft dieses Versprechen. Die drei Firmengründer sind so zu Botschaftern eines neuen Laufgefühls geworden, dessen Erfolg ihre Erwartungen überflügelt hat.

Olivier, du warst als Profiläufer mehrfacher Weltmeister im Duathlon. Welchen Schuh bist Du gelaufen, bevor Du begonnen hast, am On zu tüfteln?

​Olivier Bernhard: Das war ja das Problem. Ich habe als Profi fast alle gängigen Marken und Modelle ausprobiert, um der chronischen Entzündung meiner Achillessehne Herr zu werden. Ich war der Meinung, dass ein Schuh dazu beitragen sollte, dass es besser wird. Glücklicherweise traf ich auf einen gleichgesinnten Schweizer ETH-Ingenieur. Er hatte eine Idee, die wir zusammen weiterentwickelten.

David Allemann: Das war ein ideale Symbiose von Ingenieurwissenschaft und Laufpraxis. In unzähligen Schritten wurde die ursprüngliche Idee über mehrere Jahre perfektioniert. Die Prototypen füllen Schränke. Auch bei der heutigen Weiterentwicklung, beginnt noch immer alles beim Laufgefühl.

Bist Du schon immer ein Tüftler gewesen, Olivier?

Olivier: Vielleicht nicht unbedingt ein Tüftler. Aber sicher einer, der sich nicht so schnell geschlagen gibt. Ich erinnere mich an das Aufkommen der neuen Lenker für Triathlon-Räder, bei denen es mir nicht in den Kopf wollte, weshalb die so schwer sein müssen. Also habe ich in einer Schlosserei eine Gabel aus Titanium herstellen lassen. Damit bin ich in der Szene natürlich aufgefallen, und die Kollegen dachten sich: «Jetzt hat dieser Bernhard schon wieder etwas Neues!» (lacht)

Gab es einen ersten entscheidenden Schritt in der Entwicklung zum Laufschuh, wie wir ihn heute kennen?

Olivier: Entscheiden war die Erkenntnis, dass Dämpfung intelligenter funktionieren muss. Damals gab es nur vertikal dämpfende Sohlen, was für mich als Läufer nie ganz gestimmt hat. Schliesslich springt man beim Laufen nicht einfach in die Höhe, sondern trifft den Boden in der Vorwärtsbewegung. Beim Tennis gibt’s den Sandplatz, um den Schritt in der Vorwärtsbewegung sanft zu bremsen. Wir haben also nach einer Dämpfung gesucht, die auch horizontal wirkt. Und dann für den Abstoss ganz verschwindet. Beim Abstossen will ich als Läufer keine Dämpfung, sondern einen möglichst direkten Bodenkontakt. Wie barfuss. Der erste Prototyp entstand aus einem zerschnittenen Gartenschlauch, dessen Röhren mit Sekundenkleber an die Sohlen geleimt wurden. Das hat natürlich nur wenige Schritte gehalten.

​Ein simpler Gartenschlauch als Grundlage für eine Sportinnovation?

Olivier: Ja, das ist eine verrückte Geschichte. Die jetzigen Produkte haben nichts mehr mit Gartenschläuchen gemein, aber die Grundidee vom weichen Landen und direkten Abstossen ist geblieben. Meine allerersten Schritte mit einem Prototypen werde ich nie mehr vergessen: Da war dieses einzigartige, schwebend leichte Gefühl – komplett schmerzfrei. Und ich wusste: Das ist es! Den On erkennen die Läufer auch heute noch im Blindtest, weil er das Tor aufstösst zu einem komplett neuen Laufgefühl.

Sah das die Laufszene ähnlich?

Olivier: Zumindest war sie neugierig. Ich erinnere mich, dass ich die ersten Modelle auf einem Holztisch an einem OL verkaufte. 24 Paar Schuhe nahm ich mit, am Ende waren 12 davon verkauft. Und dann gab es da auch noch diesen speziellen Lazarus-Moment: Eine Läuferin kam an Krücken an meinen Stand und wollte den Schuh testen. Obwohl sie erst in zwei Monaten wieder hätte laufen dürfen, lief sie schmerzfrei und liess die Krücken stehen.

Das hätte kein Marketing-Profi besser inszenieren können. David und Caspar, wart Ihr von Anfang an überzeugt?

Caspar: Ich war zu Beginn sehr skeptisch. Ich kannte Olivier von meiner Zeit als Pressesprecher des Ironman Zürich, und ich war später auch sein Manager. Als er an mich heran trat und von seinem Schuh erzählte, hatte ich grosse Zweifel. Diese verflogen aber sofort, als ich den Schuh zum ersten Mal sah: Eine Innovation, die sichtbar, begreifbar und spürbar ist, das hatte ich in meinem Berufsleben nur selten gesehen. Und nach den ersten paar Laufkilometern wandelte sich meine Skepsis in Begeisterung um.

David: Um die Reaktionen der Läufer zu testen, mieteten wir im Sommer 2009 einen Stand am Ironman in Zürich. Die Leute kamen mit leuchtenden Augen vom Probelauf zurück und haben uns die Prototypen regelrecht aus den Händen gerissen. Da wussten wir: Das ist ein Produkt, das begeistert und für das wir unternehmerisch aktiv werden wollen. So entstand das Dreierteam, das hinter dem On steht.

Sah der Schuh damals schon so aus wie heute?

David: Nein. Das Lauferlebnis stimmte zwar schon, optisch hingegen war der Schuh noch ein Prototyp. Wichtig war uns, dass die Emotion nicht erst beim Laufen einsetzt, sondern schon früher – dann nämlich, wenn man ihn zum ersten Mal sieht. Der Schuh ist nicht nur funktional neu, er sieht auch anders aus. Ein solches Produkt macht neugierig, man will es ausprobieren. Der On bietet reduziertes Schweizer Design, jedes Detail hat eine Funktion. Das macht den Schuh nicht nur optisch, sondern auch gefühlt leichter.

War die Aufgabenverteilung zwischen Euch von Anfang an klar?

David: Sie lag auf der Hand. Oliviers Rolle als Entwickler war gegeben, zumal dieser Prozess nie abgeschlossen ist. Seine Verankerung in der Sport-Community ist für On sehr wichtig. Caspar ist für den internationalen Marktaufbau verantwortlich, er bringt den On in die Welt hinaus und leitet unser Sales- Team. Meine Rolle war es, die Produktion aufzubauen und ich kümmere mich um Marketing und Design. Bei wichtigen Entscheidungen sitzen wir zu dritt am Tisch.

Mit dem Gewinn des Innovations-Awards an der Sportfachmesse ISPO gelang euch ein Start mit Pauken und Trompeten.

Caspar: Das war ein Glücksfall. Als wir einige Prototypen zur ISPO geschickt hatten, waren wir uns gar nicht so richtig bewusst gewesen, wie renommiert dieser Preis ist. Verschiedene heute sehr erfolgreiche Sportmarken wie zum Beispiel Crocs oder Nixon hatten den ISPO BrandNew Award vor uns gewonnen, und entsprechend gross war dann das Interesse von Sporthändlern und Medien.

David: Die Kehrseite war, dass wir plötzlich sehr schnell die Produktion starten mussten. All jene, die uns an der Messe gratuliert hatten, wollten plötzlich Taten – sprich: Schuhe – sehen. Olivier und ich haben daraufhin eine Menge Zeit in Asien verbracht. (schmunzelt)

Du sprichst die Produktion in Asien an. Weshalb wird der Schuh nicht in der Schweiz produziert?

David: Das nötige Produktions-Knowhow gibt es hier und auch in ganz Europa nicht. On wird in der Schweiz entwickelt, aber in Vietnam hergestellt. Die Materialien kommen aus der ganzen Welt und werden von uns sehr sorgfältig ausgewählt.

Was gibt es an einem Erfolgsprodukt wie On denn noch zu entwickeln?
Olivier: Es geht um das perfekte Laufgefühl, und da sind wir noch lange nicht zufrieden. Wir befinden uns sogar erst noch am Anfang.

Dennoch kommen die grössten On-Fans aus der Läuferszene – wie Marathon-Weltmeisterin und Weltrekordhalterin Tegla Loroupe.

Caspar: Als Tegla sich eines Tages bei uns meldete und meinte, dass On der beste Schuh sei, den sie je gelaufen ist, war das ein echter Knaller. Tegla ist nicht nur eine der bekanntesten Läuferinnen überhaupt, sie ist auch eine faszinierende Persönlichkeit, die weit über die Laufszene hinaus bewegt. Es passiert uns inzwischen aber regelmässig, dass sich bekannte Athleten aus eigenem Antrieb bei uns melden und sich für den Schuh interessieren.

Olivier: Das Feedback klingt dann immer ähnlich: Sie laufen besser und leichter, sie müssen weniger lang regenerieren – und sie haben das Gefühl, schneller zu sein. Inzwischen erhalte ich jeden Tag mindestens ein Mail von begeisterten Athleten. Darunter auch von Top-Profis, die den Schuh laufen wollen. Viele erreichen mittlerweile neue persönliche Bestresultate.

Caspar: Da hat Caroline Steffen sicherlich ihren Beitrag geleistet. Wir konnten die Schweizer Triathletin von On überzeugen, seither läuft sie stetig schnellere Zeiten und gewinnt Rennen um Rennen. Sie hat es mit dem On zur Vize-Weltmeisterin in der härtesten Disziplin, dem Ironman, geschafft. Dort entscheidet sich vieles auf der Laufstrecke am Schluss des Rennens. Das ist natürlich in der Szene nicht unbemerkt geblieben.

David: Kein Wunder haben uns Athleten auch schon heimlich gebeten, den Schuh nicht weiter zu promoten. (lacht)

Caspar: Wichtig war auch das Feedback von den Sporthändlern. Diese reagierten von Anfang an überraschend positiv auf den On, obwohl unsere Technologie völlig anders funktioniert als alles, was sie bisher im Geschäft verkauften. Viele Händler schätzen, dass jeder Läufer das spezielle On-Gefühl nach wenigen Schritten im Laden direkt selber spüren kann. Sie sagen, wenn der On einmal am Fuss sei, dann verkaufe er sich praktisch von selbst.

Dennoch setzt ihr auch auf Werbeträger wie den französischen Spitzenläufer David Hauss.

Olivier: Als wir David kennen lernten, war er Sechster im World-Ranking. Mit On hat er sich kontinuierlich nach oben gearbeitet, bis er sogar Platz 1 belegen konnte. Zu sehen, dass sich das Engagement auszahlt, das wir in dieses Projekt stecken, das macht mich stolz. Es ist eine tolle Bestätigung, wenn man sieht, dass das Produkt funktioniert. Sogar auf höchstem Niveau. David Hauss hat im olympischen Triathlon in London die drittschnellste Laufzeit hingelegt.

David: Hauss hat Olivier gesagt, der On sei kein Schuh, sondern ein Gefühl. Ich glaube, das trifft es gut: Wir haben Laufschuhe zu etwas Emotionalem gemacht. Es geht nicht nur um den Willen zum Sieg, sondern auch um die Freude am Sport. Das verbindet Profis mit Hobbysportlern. Und mit dem On wird Laufen zur Fun-Sportart. Auch für den Jogger, der nur gelegentlich läuft.

Kann dieser Fun-Sportschuh auch medizinisch etwas bewirken?

Olivier: Das scheint tatsächlich so. Bei mir stapeln sich Mails von Käufern, die plötzlich wieder schmerzfrei laufen können. Ich wundere mich selbst und denke immer wieder: Aber das ist doch nur ein Schuh!

Immerhin bestätigt eine ETH-Studie, dass On kein normaler Schuh ist.

David: Berichte von Läufern, die behaupten, mit dem On schneller unterwegs zu sein, haben die ETH auf den Plan gerufen: Dort hat man mit einer Studie herausgefunden, dass man mit dem On pro Minute durchschnittlich zwei Pulsschläge spart und auch das Laktat im Blut senkt. Konkret: Mit dem On läuft man effektiver.

Kein Wunder sieht man weltweit immer mehr Menschen mit On. Haben Sie ein globales Trendprodukt geschaffen?

Caspar: Die Zahl der Fachhändler, die On erfolgreich verkaufen, wächst rasant. Dabei sind wir sehr wählerisch. Wir wollen unsere Produkte nur dort verkaufen, wo Kunden gut beraten werden – und wo ihnen genau erklärt wird, wie der On funktioniert. Nur wo es Begeisterung für Laufschuhe gibt, soll es den On zu kaufen geben.

Olivier: Es ist uns wichtig, dass wir als Laufschuh ernst genommen werden.
David: Darum sagen wir auch nicht laut, dass man den On auch als Freizeitschuh tragen kann. Da unterscheiden wir uns nicht von Sneakers. Wir hören oft, dass unsere Kunden ihren Schuh kaum mehr ausziehen wollen. (lacht)

Ihr habt in etwas mehr als zweieinhalb Jahren einen rasanten Aufstieg erlebt. Was treibt euch an?

Olivier: Mich freut es, wenn ich die neusten Verkaufszahlen aus New York höre. Wichtiger aber sind mir die Feedbacks der Kunden. Wenn ich ein Mail erhalte von jemandem, der 130 Kilo wiegt und dank dem On wieder laufen kann, macht mich das glücklich.

Caspar: Beim Laufen und bei Laufschuhen findet gerade jetzt eine grosse Veränderung statt. Weg von den passiv stützenden Schuhen mit eingebauten Einlagen hin zu leichten Schuhen, die den Läufer aktiv fordern. Der Läufer steht wieder im Mittelpunkt. Diese revolutionäre Entwicklung mitprägen zu dürfen, ist ein Privileg.

David: Immer mehr Menschen lernen das Lauferlebnis von On kennen. Wir haben schon gehört, dass sich On-Läufer im Stadtpark oder auf der Laufstrecke gegenseitig grüssen. On steht für Freude und Optimismus. Mit diesem Spirit wächst nicht nur die Familie von On-Läufern, sondern auch ein internationales Team von On-Mitarbeitern auf der ganzen Welt.

Olivier: Ich vergleiche das Laufen mit dem On mit dem Laufen über frisch gemähtes Gras. Es ist ein wunderbares Gefühl, das viele aus der Kindheit kennen. Mit dem On macht Laufen Spass: Früher war ich glücklich, wenn ich das Ziel erreicht hatte. Mit dem On freue ich mich auf den Start.

Interview: Lukas Rüttimann

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